ENTRA

 











 


Le scale di Busoni, "in Festschrift für Detlef Gojowy, zum 70. Geburtstag am 7. Oktober 2004", pp. 288-292. Trad, tedesca: Die Skalen von Busoni, in "Ferruccio Busoni – grosser Visionär Europäer und Berliner ". Detlef Gojowy, Herausgeber. Freier Deutscher Autorenverband, 2004, pp. 58-63

Viele Komponisten haben unterstrichen, wie die Intervalle einer Skala aus sieben Tönen auf andere Weise als in der traditionellen diatonischen Skalen geordnet werden können. Dieser Sachverhalt offenbart sich eindeutig in einigen Passagen von Kompositionen Chopins und Liszts, und noch expliziter im Werk zahlreicher Komponisten vom Anfang des XX. Jahrhunderts. Im besonderen schreibt Ferruccio Busoni in seinem Entwurf einer neuen Ästhetik der Tonkunst hierzu:

Daß schon einige empfunden haben, wie die Intervalle der Siebenfolge noch anders geordnet werden können, ist in vereinzelten Momenten bereits  bei Liszt und in der heutigen musikalischen Vorwärtsbewegung ausgesprochener zur Erscheinung gekommen. Der Drang und die Sehnsucht und der begabte Instinkt sprechen daraus. Doch scheint’s mir nicht, daß eine bewußte  und geordnete Vorstellung dieser erhöhten Ausdrucksmittel sich geformt habe. Ich habe den Versuch gemacht, alle Möglichkeiten der Abstufung der Siebenfolge zu gewinnen, und es gelang mir, durch Erniedrigung und Erhöhung der Intervalle 113 verschiedene Skalen festzustellen. Diese 113 Skalen (innerhalb der Oktave C-C) begreifen den größten Teil der bekannten „24 Tonarten“, außerdem aber eine Reihe neuer Tonarten von eigenartigem Charakter.[i]

Diese Versicherungen Busonis, die ein wohlbekanntes Echo fanden, zeigen in ihrer Unschuld und Summarik, wie Busoni nicht so sehr als trockener Theoretiker angesehen werden kann denn vielmehr als neugieriger Experimentator; seine Theorien, obschon sie nicht immer eine adaequate Aufnahme fanden, erregten größtes Interesse.

Das Verzeichnis der von Busoni ausgearbeiteten Skalen befindet sich in der Staatsbibliothek in Berlin; es gehört zum Nachlass und datiert von cirka 1910. Verzeichnet sind nicht nur 113 Skalen, wie Busoni im Entwurf geschrieben hatte, sondern 147, davon 145 aufgezählt in fortlaufender Reihenfolge; die letzten beiden erstrecken sich über zwei Oktaven (Doppelskalen). Beobachtet man die Reihenfolge der Skalen im Manuskript, bemerkt man in den ersten hundertdreizehn Skalen das Fehlen von Kreuzen (##) und b’s; da Busoni in seinem Entwurf auf diese Zahl 113 Bezug nimmt, ist es sehr wahrscheinlich, dass  die Skalen 114 bis 147, die er als „Andere Versuche“ bezeichnet, zu einem späteren Zeitpunkt hinzugefügt wurden. Busoni könnte  die ursprüngliche Liste von 1906 kompiliert und um 1910 die „Anderen Versuche“ hinzugefügt haben. Diese Chronologie scheint sich zu bestätigen aus einem Brief, der in der Deutschen Staatsbibliothek Berlin bewahrt  ist[ii], wo man lesen kann, dass Busoni die Liste der Skalen erweitert habe, nachdem er einige Kompositionen von Schönberg kennen gelernt hatte, speziell das Opus 11.

 

[i] Ferruccio BUSONI: Entwurf einer neuen Aesthetik der Tonkunst, Trieste (1907), italienisch von Luigi Dallapiccola, Abozzo di una nuova estetica della musica, in Lo sguardo lieto, Milano, (1977), S. 39-72
[ii] Daniel M. RAESSLER: The 113 Scales of Ferruccio Busoni, in The Music Review 43 (1982), S. 51

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